Art Rimbaud Project: Lyrics

Ophelia [Vocals: Tony Caulfield | Music: Martin Diehl]

Auf stiller, dunkler Flut, im Widerschein der Sterne,
Geschmiegt in ihre Schleier, schwimmt Ophelia bleich,
Sehr langsam, einer großen weißen Lilie gleich.
Jagdrufe hört man aus dem Wald verklingen ferne.

Schon mehr als tausend Jahre sind es,
Daß sie, ein bleich Phantom, die schwarze Flut hinzieht,
Und mehr als tausend Jahre flüstert schon sein Lied
Ihr sanfter Wahnsinn in den Hauch des Abendwindes.

Die Lüfte küssen ihre Brüste sacht und bauschen
Zu Blüten ihre Schleier, die das Wasser wiegt.
Es weint das Schilf, das sich auf ihre Schulter biegt.

Ophelia, bleiche Jungfrau, wie der Schnee so schön.

Weil in dem Seufzerlaut der Bäume und im Klagen der Nacht,
Dein Herz die Stimme der Natur vernahm.
Weil wie ein ungeheures Röcheln deinen Sinn,
Den süßen Kindersinn, des Meeres Schrei gebrochen;
Weil schön und bleich ein Prinz, der nicht ein Wort gesprochen,
Im Mai, ein armer Narr, dir saß zu deinen Knien.

Von Liebe träumtest du, von Freiheit, Seligkeit;
Du gingst in ihnen auf wie leichter Schnee im Feuer.
Dein Wort erwürgten deiner Träume Ungeheuer.
Dein blaues Auge löschte die Unendlichkeit.

Nun sagt der Dichter, daß im Schoß der Nacht du bleich
Die Blumen, die du pflücktest, suchst, in deine Schleier gehüllt
Dahinziehst auf dem dunklen, stillen Weiher,
Im Schein der Sterne, einer großen Lilie gleich.


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