Art Rimbaud Project: Lyrics

Seherbriefe
[Aline Verney | Music: Martin Diehl, Roland Scheidel]

[Scrolle herunter für eine Deutsche Übersetzung von Arthur Rimbaud's Original Gedicht.]

Je est un autre. Si le cuivre s'éveille clairon, il n'y a rien de sa faute. Cela m'est évident. J'assiste à l'éclosion de ma pensée: je la regarde, je l'écoute: je lance un coup d'archet: la symphonie fait son remuement dans les profondeurs, ou vient d'un bond sur la scène.

Si les vieux imbéciles n'avaient pas trouvé du moi que la signification fausse, nous n'aurions pas à balayer ces millions de squelettes qui, depuis un temps infini, ont accumulé les produits de leur intelligence borgnesse, en s'en clamant les auteurs!

(Great...)

Il cherche son âme, il l'inspecte, il la tente, l'apprend. Dès qu'il la sait, il la doit cultiver: cela semble simple: en tout cerveau s'accomplit un développement naturel; tant d'égoïstes se proclament auteurs; il en est bien d'autres qui s'attribuent leur progrès intellectuel! - Mais il s'agit de faire l'âme monstrueuse.

À l'instar des comprachicos*, quoi! Imaginez un homme s'implantant et se cultivant des verrues sur le visage. Je dis qu'il faut être voyant, se faire voyant.

Qu'il crêve dans son bondissement par les choses inouïes et innommables: viendront d'autres horribles travailleurs; ils commenceront par les horizons où l'autre s'est affaissé!

Le poète se fait voyant par un long, immense et raisonné dérèglement de tous les sens. Toutes les formes d'amour, de souffrance, de folie; il cherche lui-même, il épuise en lui tous les poisons, pour n'en garder que les quintessences. Ineffable torture où il a besoin de toute la foi, de toute la force surhumaine, où il devient entre tous le grand malade, le grand criminel, le grand maudit.


Lettre Du Voyant ("Seher-Brief")

An Paul Demeny
Charleville,15. Mai 1871

(...) Denn ich ist ein anderer. Wenn das Blech als Trompete erwacht, so ist es nicht seine Schuld: das ist für mich erwiesen. ich bin bei der Entfaltung meines Gedankens nur zugegen: ich betrachte ihn, ich höre ihn; ich tue einen Bogenstrich: die Symphonie wogt in den Tiefen, oder sie springt mit einem Satz auf die Bühne.

Wenn diese alten Schwachköpfe etwas mehr als nur die falsche Bedeutung des Ich entdeckt hätten, so müssten wir nicht jene Abermillionen von Skeletten hinwegfegen, die (seit undenklichen Zeiten!) die Zeugnisse ihrer einäugigen Intelligenz angehäuft und sich als deren Autoren ausposaunt haben!

(...) Das erste Bestreben des Menschen, der Dichter werden will, ist die - uneingeschränkte - Kenntnis seiner selbst; er sucht seine Seele, erforscht, versucht und erfährt sie. Sobald er sie kennt, muss er sie bilden. das klingt so einfach: in jedem Hirn vollendet sich eine natürliche Entwicklung; wieviele Egoisten erklären sich zu Autoren; wieviele andere schreiben sich den eigenen Geistesfortschritt zu Gute! - doch es geht darum , die Seele ungeheuerlich zu machen: ja, nach dem Vorbild der Comprachicos*! Wie einer, der auf seinem Gesicht Warzen pflanzt und heranbildet.

Ich sage man muss Seher sein, muss sich sehend machen.

Sehend macht sich der Dichter durch eine lange, unermessliche und planmässige Ausschweifung aller Sinne. alle Formen der Liebe, der Qual, des Wahnsinns; er sucht eigens, er erschöpft an sich alle Gifte, um nur ihre Quintessenz zu bewahren. unsägliche Tortur, für die er allen Glauben braucht, alle übermenschliche Kraft, bei der er unter allen der grosse Kranke wird, der grosse Verbrecher, der grosse Verdammte, - und der höchst Wissende! - denn er kommt an im Unbekannten! Denn er hat seine Seele,die ohnehin reiche, mehr ausgebildet als jeder andere! Er kommt an im Unbekannten, und sollte ihm in seiner Bestürzung am Ende der Sinn seiner Visionen entgleiten, er hat sie gesehen! Mag er wenn es ihn hochreisst, an all dem Unerhörten, Unnennbaren krepieren: es werden neue Arbeiter des Grauens kommen; und sie werden von den Horizonten aufbrechen, an denen der andere zusammengebrochen ist!

*Comprachicos: "Kinderkäufer." Eine nomadische Vereinigung im Spanien des 17. Jahrhunderts welche Handel mit Kindern betrieb, sie verstümmelte und als "Monster" in Circus Shows ausstellte.


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